{"id":5829,"date":"2025-11-17T08:04:37","date_gmt":"2025-11-17T08:04:37","guid":{"rendered":"https:\/\/cybersecurityinfocus.com\/?p=5829"},"modified":"2025-11-17T08:04:37","modified_gmt":"2025-11-17T08:04:37","slug":"gipfel-in-berlin-europa-strebt-digitale-souveranitat-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cybersecurityinfocus.com\/?p=5829","title":{"rendered":"Gipfel in Berlin \u2013 Europa strebt digitale Souver\u00e4nit\u00e4t an"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"grid grid--cols-10@md grid--cols-8@lg article-column\">\n<div class=\"col-12 col-10@md col-6@lg col-start-3@lg\">\n<div class=\"article-column__content\">\n<div class=\"container\"><\/div>\n<div class=\"extendedBlock-wrapper block-coreImage undefined\">Am 18. November 2025 findet der\u00a0Summit on European Digital Sovereignty in Berlin statt.\n<p class=\"imageCredit\">mr_tigga \u2013 shutterstock.com<\/p>\n<\/div>\n<p>Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Pr\u00e4sident, Emmanuel Macron, haben sich angek\u00fcndigt zum Treffen der Digitalminister und IT-Fachleute in Berlin. Rund 900 Teilnehmer werden beim Europ\u00e4ischen Gipfel zur Digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t am Dienstag erwartet. Was lange Zeit ein Nischenthema f\u00fcr IT-Fachleute war, steht inzwischen weit oben auf der politischen Agenda.\u00a0<\/p>\n<p>Denn viele Unternehmer und auch F\u00fchrungskr\u00e4fte in der \u00f6ffentlichen Verwaltung stellen sich die bange Frage: Wie sicher sind meine Daten in den Clouds gro\u00dfer US-Tech-Unternehmen wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google Cloud? Und k\u00f6nnte vielleicht eines Tages der Zugang zu meinem E-Mail-Konto blockiert sein? Hier geht es ausdr\u00fccklich nicht um Sorgen wegen m\u00f6glicher Hackerangriffe, sondern um etwaige Ma\u00dfnahmen auf Gehei\u00df der US-Regierung.\u00a0<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kein Anti-US-Tech-Gipfel<\/h2>\n<p>Aus der Bundesregierung ist zwar zu h\u00f6ren, der Gipfel in Berlin richte sich nicht explizit gegen die USA. Doch vielleicht will man mit Blick auf bestehende Abh\u00e4ngigkeiten und heikle Zollfragen auch einfach kein \u00d6l ins Feuer gie\u00dfen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zugriff der US-Justiz?<\/h2>\n<p>Das 2022 vom Bundesinnenministerium gegr\u00fcndete Zentrum f\u00fcr Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t in der \u00d6ffentlichen Verwaltung hat diesen Sommer jedenfalls unter der \u00dcberschrift \u201cUS-Recht kennt keine Grenzen\u201d folgenden Hinweis auf juristische Risiken ver\u00f6ffentlicht: \u201cDurch Gesetze wie den <a href=\"https:\/\/www.csoonline.com\/article\/3494286\/nis2-dora-data-act-co-die-wichtigsten-security-gesetze-im-uberblick.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CLOUD Act<\/a> und FISA 702 unterliegen alle US-Cloud-Anbieter der Pflicht, Daten auch dann offenzulegen, wenn sie au\u00dferhalb der USA gespeichert sind.\u201d Dasselbe gelte f\u00fcr entsprechende verbindliche Anordnungen des US-Pr\u00e4sidenten. Die Amazon Web Services Cloud wird beispielsweise f\u00fcr die Speicherung von Aufzeichnungen von Bodycams der Bundespolizei genutzt.<\/p>\n<p>FISA 702 erm\u00f6glicht US-Geheimdiensten wie der NSA das Abfangen von Kommunikation, die von US-amerikanischen Unternehmen bereitgestellt wird. Der Cloud Act erlaubt US-Ermittlungs- und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden den Zugriff auf Daten, die von US-Unternehmen gespeichert werden, unabh\u00e4ngig davon, wo sich die Daten physisch befinden \u2013 also auch in europ\u00e4ischen Rechenzentren.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geopolitische Herausforderungen<\/h2>\n<p>\u201cDie St\u00e4rkung der europ\u00e4ischen digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t ist f\u00fcr die Bundesregierung wie auch f\u00fcr die Regierungen der anderen EU-Mitgliedstaaten ein wichtiges Thema \u2013 gerade auch mit Blick auf die aktuellen geopolitischen Herausforderungen\u201d, sagt ein Sprecher des Digitalministeriums. Von dem Gipfel solle \u201cdas starke Signal ausgehen, dass sich Europa der Herausforderungen bewusst ist und die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t engagiert vorantreibt\u201d.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Zentrum f\u00fcr Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t ist es das erkl\u00e4rte Ziel, die \u201ckritischen Abh\u00e4ngigkeiten\u201d der \u00f6ffentlichen Verwaltung von gro\u00dfen, zumeist nicht-europ\u00e4ischen Software- und Cloud-Anbietern aufzul\u00f6sen, deren L\u00f6sungen inzwischen fester Teil vieler staatlicher IT-Infrastrukturen geworden ist.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ohne Cloud geht fast nichts mehr<\/h2>\n<p>Auch Unternehmen sind teils alarmiert. Laut einer im Fr\u00fchsommer ver\u00f6ffentlichten Studie des Branchenverbands Bitkom, nutzen neun von zehn deutschen Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern Cloud-Dienste. Gleichzeitig sehen 78 Prozent der befragten F\u00fchrungskr\u00e4fte und IT-Fachleute die enge Bindung an amerikanische Cloud-Anbieter kritisch. Der Wunsch nach leistungsstarken europ\u00e4ischen Alternativen ist daher gro\u00df \u2013 vorausgesetzt die gleichen Funktionen werden angeboten.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sidentin des Bundesamtes f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, hatte im August erkl\u00e4rt, der US-Cloud-Act sei eines von diversen Gesetzen in den USA, die dem Staat viele Zugriffsm\u00f6glichkeiten zubilligten. So etwas finde man auch in China. Die Antwort auf die Frage der Kontrolle sollte aber nicht politisch sein, sondern technologisch. \u201cEs geht darum, sicherzustellen, dass ein Zugriff technisch nicht m\u00f6glich ist\u201d, betont sie. Dabei gehe es insbesondere um Verschl\u00fcsselung und die Frage, ob der Nutzer die Hoheit \u00fcber diese Schl\u00fcssel habe.<\/p>\n<p>Sven Kummer, Gr\u00fcnder eines Software-Unternehmens f\u00fcr sicheren Newsletter-Versand aus Freiburg, sagt, es sei gut, dass versucht werde, die Nutzung gro\u00dfer US-Cloud-Dienstleister mit <a href=\"https:\/\/www.csoonline.com\/de\/cloud-security\/page\/3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sicherheitsma\u00dfnahmen<\/a> zu verkn\u00fcpfen. Cloud-Dienstleister dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung auch in Europa zu haben, w\u00e4re \u201cnat\u00fcrlich auch toll\u201d, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von rapidmail. Und f\u00fcgt bedauernd hinzu: \u201cDas ist leider noch nicht der Fall.\u201d\u00a0<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Serverstandort wird immer wichtiger<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend fr\u00fcher kaum ein Kunde habe wissen wollen, wo die Server von rapidmail stehen, sei das seit einigen Monaten die Frage, die seine Kundendienst-Mitarbeiter am h\u00e4ufigsten beantworten m\u00fcssten, berichtet Kummer. Die Antwort: In einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>F\u00fcr sein eigenes Unternehmen gelte: \u201cSolange es irgendwie um Daten geht, die unseren Kunden geh\u00f6ren, dann h\u00e4tte ich sie gerne so in Reichweite, dass ich auch wirklich mit Sicherheit unseren Kunden sagen kann: \u2018Hey, hier haben wir unsere Hand drauf, sonst ist es niemand, und das bleibt auch so.&#8217;\u201d Seine Kunden sind vor allem kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen, Vereine, Verb\u00e4nde oder auch Solo-Unternehmer. Sie erwarten von Kummer und seinem Team, dass ihre Newsletter gut aussehen, bei den Empf\u00e4ngern nicht im Spam-Ordner landen, dass alle Datenschutz-Regeln eingehalten werden und niemand Unbefugtes Zugriff auf sensible Daten hat \u2013 etwa auf die Empf\u00e4ngerlisten.\u00a0<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einfach mal machen \u2013 in Deutschland schwierig<\/h2>\n<p>Seit 2021 geh\u00f6rt rapidmail zur deutsch-franz\u00f6sischen Positive Group. Das Konzept, einfach einmal etwas auszuprobieren, zu gucken, ob es funktioniert und, wenn es nicht funktioniert, das N\u00e4chste auszuprobieren, sei in Deutschland wegen der vielen Regularien nicht umsetzbar, sagt Kummer. \u201cDas ist in den USA oder in anderen L\u00e4ndern einfach deutlich einfacher, einfach mal was zu probieren.\u201d B\u00fcrokratieabbau und der Zugang zu Wagniskapital w\u00e4ren aus seiner Sicht wichtig, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb der Tech-Start-Ups aufholt \u2013 wichtiger als F\u00f6rderung und riesige KI-Rechenzentren. (dpa\/jm)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. November 2025 findet der\u00a0Summit on European Digital Sovereignty in Berlin statt. mr_tigga \u2013 shutterstock.com Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Pr\u00e4sident, Emmanuel Macron, haben sich angek\u00fcndigt zum Treffen der Digitalminister und IT-Fachleute in Berlin. 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