{"id":3820,"date":"2025-07-03T12:06:41","date_gmt":"2025-07-03T12:06:41","guid":{"rendered":"https:\/\/cybersecurityinfocus.com\/?p=3820"},"modified":"2025-07-03T12:06:41","modified_gmt":"2025-07-03T12:06:41","slug":"erneute-cyberattacke-auf-internationalen-strafgerichtshof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cybersecurityinfocus.com\/?p=3820","title":{"rendered":"Erneute Cyberattacke auf Internationalen Strafgerichtshof"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"grid grid--cols-10@md grid--cols-8@lg article-column\">\n<div class=\"col-12 col-10@md col-6@lg col-start-3@lg\">\n<div class=\"article-column__content\">\n<div class=\"container\"><\/div>\n<div class=\"extendedBlock-wrapper block-coreImage undefined\">Der Internationale Strafgerichtshof wurde bereists zum zweiten Mal von einer Cyberattacke getroffen.\n<p class=\"imageCredit\">Nominesine \u2013 shutterstock.com<\/p>\n<\/div>\n<p>Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) ist Opfer eines raffinierten Cyberangriffs geworden, dem zweiten gro\u00dfen Cyberspionageversuch gegen das Kriegsverbrechertribunal innerhalb von nur zwei Jahren. Der j\u00fcngste Vorfall ereignete sich w\u00e4hrend des <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/235800.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NATO-Gipfels<\/a> in Den Haag im Juni, als die Aufmerksamkeit der Welt\u00f6ffentlichkeit auf die niederl\u00e4ndische Hauptstadt gerichtet war.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt l\u00e4sst entweder auf eine opportunistische Aktion w\u00e4hrend einer Phase erh\u00f6hter Sicherheitsvorkehrungen oder auf einen kalkulierten Versuch schlie\u00dfen, das Gericht in einem Moment internationaler Aufmerksamkeit zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der IStGH best\u00e4tigte den <a href=\"https:\/\/www.icc-cpi.int\/news\/icc-detects-and-contains-new-sophisticated-cyber-security-incident\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cybersicherheitsvorfall<\/a> in einer Erkl\u00e4rung vom 30. Juni 2025 und lobte seine \u201eWarn- und Reaktionsmechanismen\u201c f\u00fcr die \u201erasche\u201c Aufdeckung, Best\u00e4tigung und Eind\u00e4mmung des Vorfalls. Das Gericht lehnte es jedoch ab, Einzelheiten \u00fcber die Auswirkungen des Angriffs, die Identit\u00e4t der T\u00e4ter oder die Frage, ob sensible Fallinformationen kompromittiert wurden, bekannt zu geben.<\/p>\n<p>Auf Anfrage nach weiteren Informationen erkl\u00e4rte IStGH -Sprecher Fadi El Abdallah, dass \u00fcber die Erkl\u00e4rung des Gerichts hinaus \u201ederzeit keine weiteren Informationen verf\u00fcgbar\u201d seien.<\/p>\n<p>Der j\u00fcngste Vorfall unterstreicht die zunehmenden Cyber-Bedrohungen f\u00fcr internationale Justizbeh\u00f6rden. Die gilt insbesondere, da der IStGH Verfahren gegen gro\u00dfe Weltm\u00e4chte verfolgt und aufgrund der j\u00fcngsten US-Sanktionen zunehmend isoliert auf der internationalen B\u00fchne steht.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Geopolitische Spannungen erh\u00f6hen die Anf\u00e4lligkeit<\/strong><\/h2>\n<p>Der Angriff auf den IStGH spiegelt einen allgemeinen globalen Trend wider, wonach Cyberkriminelle und staatliche Akteure zunehmend Justizbeh\u00f6rden ins Visier nehmen. In den USA waren die Gerichte im vergangenen Jahr mit einer <a href=\"https:\/\/www.csoonline.com\/article\/2128924\/repeated-cyberattacks-on-court-systems-raise-security-concerns-for-the-us.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Welle von Cyberangriffen<\/a> konfrontiert. Darunter finden sich Ransomware-Vorf\u00e4lle in Jackson County, Missouri, Wisconsin, Kansas und Fulton County sowie Denial-of-Service-Angriffe auf Gerichte in Pennsylvania.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland gab es bereits einen massiven Angriff auf eine Justizbeh\u00f6rde: Im Jahr 2020 wurde das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/berlin-kammergericht-hacker-angriff-emotet-1.4775305\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berliner Kammergericht Opfer eines Cyberangriffs<\/a>, bei dem Hacker m\u00f6glicherweise auf alle Daten des Gerichts zugreifen konnten.<\/p>\n<p>Die Cyberattacke auf den IStGH kommt zu einem besonders schwierigen Zeitpunkt f\u00fcr die Institution, da sie einem beispiellosen Druck seitens der USA ausgesetzt ist. Im Juni k\u00fcndigte US-Au\u00dfenminister Marco Rubio <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/releases\/office-of-the-spokesperson\/2025\/06\/imposing-sanctions-in-response-to-the-iccs-illegitimate-actions-targeting-the-united-states-and-israel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sanktionen<\/a> gegen vier Richter des IStGH an, die auf eine von Pr\u00e4sident Donald Trump unterzeichnete Durchf\u00fchrungsverordnung zur\u00fcckgehen. Die Sanktionen betreffen Richter, die Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpr\u00e4sidenten Benjamin Netanjahu und Ermittlungen wegen mutma\u00dflicher Kriegsverbrechen der USA in Afghanistan genehmigt hatten.<\/p>\n<p>Der IStGH f\u00fchrt derzeit Ermittlungen in mehreren sensiblen geopolitischen Situationen, darunter Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit der Invasion Russlands in der Ukraine (f\u00fcr die er einen Haftbefehl gegen Pr\u00e4sident Wladimir Putin erlassen hat), dem Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen sowie mutma\u00dflichen Verbrechen in Afghanistan, Sudan, Myanmar, den Philippinen und Venezuela.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Muster raffinierter Cyberspionage<\/strong><\/h2>\n<p>Das IStGH war bereits <a href=\"https:\/\/www.csoonline.com\/article\/3494681\/icc-gehackt-internationaler-strafgerichtshof-angegriffen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im September 2023<\/a> von einem Cyberangriff betroffen. Damals bezeichnete die Beh\u00f6rde den Vorfall als \u201egezielte und raffinierte Spionageaktion\u201c, die \u201eeinen ernsthaften Versuch darstellte, das Mandat des Gerichtshofs zu untergraben\u201c. Berichten zufolge kam es nach dem Angriff zu l\u00e4ngeren Betriebsst\u00f6rungen, was die langfristigen Auswirkungen solcher Angriffe auf wichtige internationale Institutionen verdeutlicht.<\/p>\n<p>Die Cyberprobleme des IStGH spiegeln die allgemeinen Sicherheitsherausforderungen wider, denen internationale Institutionen gegen\u00fcberstehen. Im Jahr 2022 meldete der niederl\u00e4ndische Geheimdienst, einen Plan eines russischen Spions vereitelt zu haben, der unter falscher brasilianischer Identit\u00e4t als Praktikant am Gerichtshof gearbeitet hatte.<\/p>\n<p>Dies verdeutlicht die vielf\u00e4ltigen Wege, \u00fcber die feindliche Akteure versuchen, in internationale Justizinstitutionen einzudringen. Der Gerichtshof hat auch vor m\u00f6glichen Desinformationskampagnen gewarnt, die darauf abzielen, seine Glaubw\u00fcrdigkeit und seine Arbeit zu untergraben.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der IStGH geht proaktiv gegen Cyberkriminalit\u00e4t vor<\/strong><\/h2>\n<p>Obwohl der IStGH mit ausgekl\u00fcgeten Cyberangriffen konfrontiert ist, entwickelt die Institution neue F\u00e4higkeiten, um Cyber-Kriegsverbrechen zu verfolgen. Im Mai 2025 startete die <a href=\"https:\/\/www.icc-cpi.int\/news\/icc-office-prosecutor-launches-public-consultation-policy-cyber-enabled-crimes-under-rome\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Staatsanwaltschaft des IStGH eine \u00f6ffentliche Konsultation<\/a> zu ihrem Entwurf einer Politik zur Bek\u00e4mpfung von Cyberverbrechen im Rahmen des R\u00f6mischen Statuts und erkannte an, dass \u201edie Instrumente zur Begehung schwerer internationaler Verbrechen sich st\u00e4ndig weiterentwickeln \u2013 von Kugeln und Bomben \u00fcber soziale Medien und das Internet bis hin zu k\u00fcnstlicher Intelligenz\u201c.<\/p>\n<p>Der IStGH untersucht bereits mutma\u00dfliche russische Cyberangriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine als m\u00f6gliche Kriegsverbrechen. Nach Angaben von mit dem Fall vertrauten Quellen ist dies das erste Mal, dass Cyberangriffe von internationalen Staatsanw\u00e4lten wegen m\u00f6glicher Kriegsverbrechen untersucht werden.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Institutionelle Widerstandsf\u00e4higkeit unter Druck<\/strong><\/h2>\n<p>Da der IStGH bei der Verfolgung hochkar\u00e4tiger internationaler F\u00e4lle weiterhin mit zunehmenden Cyberbedrohungen konfrontiert ist, zeigen die wiederholten Angriffe die komplexen Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit. Dies gilt insbesondere f\u00fcr internationale Institutionen, die mit besonders sensiblen Informationen umgehen und dabei rechtliche Beweise, Daten zum Zeugenschutz und geopolitische Informationen kombinieren.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeiten bei der Zuordnung beider Angriffe \u2013 weder der Vorfall von 2023 noch der von 2025 wurden \u00f6ffentlich bestimmten Akteuren zugeordnet \u2013 verdeutlichen , wie schwierig es selbst f\u00fcr gut ausgestattete Institutionen mit internationaler Unterst\u00fctzung ist, die T\u00e4ter dingfest zu machen.<\/p>\n<p>Trotz der Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit bekr\u00e4ftigte der IStGH seine Entschlossenheit, seine Arbeit fortzusetzen. In seiner Erkl\u00e4rung vom 30. Juni forderte das Gericht die Vertragsstaaten auf, \u201eangesichts dieser Herausforderungen weiterhin Unterst\u00fctzung zu leisten\u201c, da \u201ediese Unterst\u00fctzung die F\u00e4higkeit des Gerichtshofs gew\u00e4hrleistet, sein wichtiges Mandat der Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht zu erf\u00fcllen\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Internationale Strafgerichtshof wurde bereists zum zweiten Mal von einer Cyberattacke getroffen. Nominesine \u2013 shutterstock.com Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) ist Opfer eines raffinierten Cyberangriffs geworden, dem zweiten gro\u00dfen Cyberspionageversuch gegen das Kriegsverbrechertribunal innerhalb von nur zwei Jahren. 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